Lieferzeit des Lieferanten vs. Lieferzeit für Kunden: Was ist der Unterschied?

Diese beiden Lieferzeiten beeinflussen Ihr Geschäft in unterschiedliche Richtungen, und ihre Verwechslung führt zu schlechter Planung auf beiden Seiten. Für kleine Unternehmen kann dieser Unterschied zwischen Erfolg und Frustration entscheidend sein – sowohl für die Kundenzufriedenheit als auch für die Lagerverwaltung.

Lieferzeit des Lieferanten: Die grundlegende Planungsgröße

Die Lieferzeit des Lieferanten ist die Zeit, die Ihr Lieferant benötigt, um nach Ihrer Bestellung zu liefern. Dies bestimmt, wie weit im Voraus Sie nachbestellen müssen, um Engpässe zu vermeiden.

Praktisches Beispiel: Ein E-Commerce-Einzelhandel

Stellen Sie sich vor, Sie verkaufen Sportartikel online und beziehen T-Shirts von einem Lieferanten mit einer Lieferzeit von 14 Tagen. Das bedeutet:

  • Sie bestellen am 1. Januar
  • Die Ware trifft am 15. Januar ein
  • In diesem Zeitraum können Sie nicht auf neue Bestände zugreifen

Warum die Lieferantenlieferzeit kritisch ist

Nach einer McKinsey-Studie aus dem Jahr 2022 mangelt es 64% der kleinen Unternehmen an ausreichender Sichtbarkeit ihrer Lieferkette. Die Lieferantenlieferzeit beeinflusst direkt:

  • Lagerverwaltung: Sie müssen genug Bestand halten, um die 14 Tage Wartezeit zu überbrücken
  • Cashflow: Geld ist gebunden, bis die Ware ankommt und verkauft wird
  • Bestellplanung: Mit durchschnittlich 21 Tagen Lagerumschlag pro Monat müssen Sie rechtzeitig nachbestellen

Variabilität der Lieferantenlieferzeiten

In der Praxis sind Lieferantenlieferzeiten selten konstant. Beispiele aus verschiedenen Branchen:

  • Lokale Lieferanten: 2-5 Tage (häufig sehr zuverlässig)
  • Nationale Großhändler: 7-14 Tage (moderate Schwankungen)
  • Internationale Importe: 30-90 Tage (hohe Variabilität)
  • Spezialprodukte: 60-180 Tage (mit Vorlaufzeiten)

Lieferzeit für Kunden: Das Versprechen an Ihre Käufer

Die Lieferzeit für Kunden ist die Zeit, die Sie benötigen, um nach einer Kundenbestellung zu liefern. Dies ist ein Versprechen, das Sie geben, und es muss Ihre Lieferantenlieferzeit zuzüglich Ihrer eigenen Verarbeitungs- und Erfüllungszeit berücksichtigen.

Die Komponenten der Kundenlieferzeit

Eine realistische Kundenlieferzeit setzt sich zusammen aus:

  • Bestellverarbeitung: 0-2 Tage (Zahlungsabwicklung, Adressprüfung)
  • Kommissionierung und Verpackung: 1-3 Tage
  • Lieferantenlieferzeit: 7-30 Tage (falls kein Bestand vorhanden)
  • Versand: 2-10 Tage (abhängig von Versandart)

Praktisches Rechenbeispiel

Ein Online-Shop für Elektronik mit folgendem Setup:

  • Lieferantenlieferzeit: 14 Tage
  • Bestellverarbeitung: 1 Tag
  • Kommissionierung: 1 Tag
  • Versand (Standard): 5 Tage
  • Gesamte Kundenlieferzeit: 21 Tage

Dies ist die realistische Versprechung an Kunden. Eine Versprechung von 5 Tagen ohne ausreichende Bestände führt zu 16 Tagen Verzögerung und verärgerten Kunden.

Der häufige Planungsfehler und wie man ihn vermeidet

Ein häufiger Planungsfehler besteht darin, Kundenlieferzeiten anzugeben, die nicht genügend Puffer für Schwankungen bei der Lieferantenlieferzeit vorsehen – und keinen Spielraum lassen, wenn ein Lieferant auch nur leicht zu spät kommt.

Das Risiko unzureichender Puffer

Nach Daten von Statista erleben 35% der E-Commerce-Kunden regelmäßig verzögerte Lieferungen. Die häufigsten Ursachen sind:

  • Unterschätzung der Lieferantenlieferzeit (42%)
  • Keine Reserve für Verspätungen eingeplant (38%)
  • Wechsel zwischen mehreren Lieferanten (20%)

Best Practice: Die Puffer-Formel

Berechnen Sie Ihre Kundenlieferzeit wie folgt:

  • Durchschnittliche Lieferantenlieferzeit: 14 Tage
  • Maximale beobachtete Lieferantenlieferzeit: 21 Tage
  • Puffer für Unvorhersehbares: 3 Tage
  • Verarbeitungszeit im Haus: 2 Tage
  • Kundenlieferzeit verprechen: 26-28 Tage

Alternative: Bestandsverwaltung

Viele erfolgreiche kleine Unternehmen halten ausreichend Bestand, um 2-3 Lieferantenzyklen zu überbrücken. Dies ermöglicht:

  • Kundenlieferzeiten von 3-5 Tagen zu versprechen
  • Bessere Kundenzufriedenheit (Amazon-Standard: 2-Tage-Versand)
  • Puffer gegen Lieferantenausfälle
  • Allerdings: Höhere Lagerkosten (durchschnittlich 25% der Lagerbestände pro Jahr)

Fazit: Beide Zeiten im Blick behalten

Der Schlüssel liegt darin, realistische Kundenlieferzeiten zu versprechen, die auf tatsächlichen Lieferantenlieferzeiten plus Puffer basieren. Kleine Unternehmen, die diese beiden Größen trennen und planen, haben bessere Kundenzufriedenheit und niedrigere Lagerkosten als Konkurrenten, die beide verwechseln.